Turkmenistan

04-09-06-043

Mitten im Nirgendwo, eine staubige Strasse, ein paar türkische Lastwagen und unendliche Steppe. Wir passieren kleine Ansammlungen von Blechhütten. Merkwürdig, die Menschen lächeln uns zu, ob ich auch lächeln würde wenn ich hier leben würde. Mein Verstand scheint ganz schön verwöhnt zu sein. Wir machen Pause, Schaschlik, Staub, Fliegen,Hitze, Objekt das an Plumpsklo erinnert, vom Leben gezeichnete Menschen und mein Verstand der nicht versteht. Es scheint mehr zugeben als ich sehe irgendwo jenseits von Ablenkung und Konsum. Nebst der eigentlichen Reise gibt es noch eine zweite, eine des Verstandes. Losgelöst von bekanntem und gewohntem gibt es Raum für Gedanken und Reflexion.

04-08-06-063

Steppe, Hitze, Reifenpanne, Vodka und endlich schlaf.

Nach unzähligen Schlaglöchern plötzlich ein Highway, was für ein angenehmes Gefühl. Wir erreichen Ashgabat. Nach erfolglosem Bankbesuch suchen wir uns einen Platz für die Nacht. Erneuter Bankbesuch, wider erfolglos, naja nicht ganz wir haben die Adresse einer anderen Bank. Da wir unserem türkischen Freund versprochen haben das Geld bis um 9:30 zu bringen sind wir ziemlich im Stress, denn es ist bereist 9:30. Wir fahren im Taxi, merkwürdig erscheint mir Ashgabat. Wie ein großes Dorf, einfache Hauser, viele Bäume, Plattenbauten, kaum Industrie, Polizei, verdammt viel Polizei sogar, immer wieder Putzkommandos die bereits saubere Straßen wischen, Arbeitsbeschaffung auf Turkmenisch.  Und dann erreichen wir die Stadt in der Stadt, errichtet von dem zumindest vordergründig überall vergötterten, ehemaligen Präsidenten Turkmenbashi. Der frühere Ingenieur hat sich auf absurde Weise verewigt. Wir fahren durch eine unwirkliche Welt, riesige Parks, prachtvolle Promenaden, riesige goldene Statuen, noch mehr Polizei, unzählige Prunkbauten, alle weiß mit blauen Scheiben und viel Gold. Das verrückte ist, es ist kaum ein Mensch zusehen, weder in denn Parks noch auf der Straße, außer natürlich Polizei und Putzkommandos. Keine lächelnden Menschen. Irgendwie scheint der Masterplan fehlgeschlagen zu sein. Da wir gehört haben das Fotografiren verboten ist lenkt Andriin unseren Fahrer ab. Dieser beendet meine Undercover Mission ganz nebensächlich indem er langsamer fährt damit ich besser fotografieren kann. Rauchend was ebenfalls verboten ist, nicht nur beim fahren sondern auf allen öffentlichen Plätzen, erklärt er uns auf Turkmenisch die Sehenswürdigkeiten, das Gespräch ist etwa so erhellend wie der Blick aus dem Fenster.

04-09-06-046

Wir erreichen die Bank, daneben erscheint die UBS am Paradeplatz wie eine Wurstbude. Über eine breite Treppe erreichen wir die Schalterhalle, ich lasse meinen Blick schweifen, vierzig Schalter alle besetzt mit  hübschen Frauen. Wir steuern auf die erstbeste zu, fingernägelschleifend  weist uns die Dame zu einem anderen Schalter. Nach unzähligen Unterschriften bekommen wir tatsächlich unser Geld.

Unser türkischer Freund erwartet uns ein wenig bleich und fluchend, nicht weil wir verspätet sind sondern weil das Turkmenische Essen  seinen wohlgenährten Bauch überfordert. Nach herzlicher Verabschiedung fahren wir auf der Suche nach  Wasser durch die Stadt. Wir halten beim Feuerwehrstüzpunkt der zugleich auch die Polizei beherbergt. Nach dem tanken bekommen wir eine Führung  die im Büro des Oberkommandanten  endet. Er ist sehr freundlich, sein Assistent befiehlt einem unterwürfigen, ständig salutierenden Beamten uns etwa Essen zu besorgen, sofort macht sich dieser in militärischem Schritt davon. Das Essen schmeckt vorzüglich. Um die unangenehme Stille zu überbrücken die möglicherweise auch durch unser merkwürdiges Auftreten entsteht, mehrere Tage nicht mehr geduscht, verstaubt, verstrubelt, in Unterhemd gekleidet, sie hingegen militärisch, in Uniform und frisch rasiert, lässt der Oberkommandant den Fernseher an. Zusehen ist der neue Präsident, andächtiges schweigen dann folgt ein Wirtschaftsbeitrag, ein Siemens Manager schwärmt in höchsten Tönen von Turkmenistan. Ich versuche ein Gespräch anzufangen und frage denn Oberkommandanten wo auf der riesigen Stadtkarte die an der Wand hängt, wir uns befinden. Der Oberkommandant geht zur Karte und ruft sogleich seinen Assistenten und dieser ruft wiederrum den unterwürfigen Beamten, tatsächlich haben die keinen Plan wo wir uns befinden, es schein t nicht oft zu brennen in Asgabath. 

Nach einem Bier für 7 Dollar legen wir uns schlafen, ich freue mich auf Usbekistan.

04-09-06-060

Wir besuchen denn Reifenhändler. Er hat tatsächlich einen passenden, denn Pneu müssen wir ein paar Straßen weiter flicken lassen, Arbeitsteilung auf Turkmenisch. Nach Tschai und viel Geplauder verlassen wir Asgabath. Wir fahren über Mary nach Turkmenabat dem Grenzort zu Usbekistan. In einem kleinen Dorf vor Mary treffen wir auf einen Russen der per Autostopp reist. Iger spricht ziemlich gut English und es kommt sofort zu einem angeregten Austausch unserer Erlebnisse. Wie wir von ihm erfahren haben hat er vor 6 Jahren nach einer Indienreise sein altes Leben aufgegeben. Er kündete seinen Job im Management, verlies Familie und reist seither ohne Geld. Die Visa finanziert er sich durch Geld das er als Bergführer verdient. Er wanderte schon 2 Monate alleine durch Sibirien, naja fast alleine es gab anscheinend noch einige Bären.

Am Nächsten Tag erreichen wir Turkmenabad. Iger verlässt uns leider schon wieder weil noch eine Stadt weiter nördlich besuchen möchte. Ich und Andriin machen uns auf Richtung Grenze, doch wie üblich gibt es keine Schilder und wir brauchen eine Ewigkeit um sie zu finden. Der Grenzsoldat gibt uns zu verstehen dass für heute Schluss sei. Wir begeben uns zu einer kleinen Shaschlikbude. Diese liegt wunderschon am Fluss, umgeben von Schattenspendenden Bäumen. Bezeichnenderweise ist dies der schönste Ort denn ich in Turkmenistan gesehen habe, kaum 100 Meter von Usbekistan entfernt. Wir genießen denn Abend mit Fernfahrern die uns bei einem Gläschen Vodka so einiges zu erzählen haben.


SetPageWidth