Persepolis and our journey to the caspian sea

Nachdem wir Esfahan verlassen haben, reisen wir weiter Richtung Süden, Persepolis ist unser Ziel. Diese Sagenumwobene Ruinenstätte, gebaut von Darius dem Ersten, ist eine der grössten die noch so existiert.

05-09-09-118

In Persepolis angekommen werden wir darüber unterrichtet, das bereits geschlossen ist. Wir übernachten irgendwo in den Hügeln, ca. 40km entfernt. Wie bereits in vorhergehenden Berichten angedeutet, sind wir keine großen Ruinengänger, uns interessiert die Konfrontation mit den Menschen, dem jetzigen Land viel mehr. Trotzdem ist es sehr interessant zu sehen, woher diese Jahrtausend alte Kultur stammt. Wenn man Persepolis sieht, ist man sich im Klaren, dass dieses Volk bereits dazumal und viele Jahrhunderte lang, eine Hochkultur war. „Dieses Mächtige, aber doch Anmutige und Schöne, das Detailierte und doch so Offene und Gelassene“(Einschub: Gedankenspiel). Noch immer, so bin ich überzeugt, lassen Verhaltensmuster bei den Persern auf sehr alte, moralische Grundprinzipien schliessen. Natürlich ist das nicht in allen Begegnungen zu sehen, jedoch bei den meisten die ich erlebte.

05-10-09-098

Wir fahren weiter Richtung Shiraz. Es soll ebenfalls eine sehr eindrucksvolle Stadt sein, nur leider haben wir auf Grund von unseren Esfahan-und Tehranwochen nur noch wenig Zeit, bis unsere Visa ablaufen. Wieder einmal mehr lassen wir uns, nachdem die Wegbeschreibung eingeholt wurde, bereits am Stadteingang von einem Auto voller Männer zu einem Parkbesuch überreden. Das alles endet in einem surrealen Abend. Der „Anführer“, anscheinend Dr. Professor So und So lädt uns ein,  im sogenannten Haus von seinen Eltern zu Gast zu sein. Es kommen viele Männer zu Besuch, uns wird fast jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Wir durften natürlich nicht im Auto schlafen, anstelle mussten wir mit 6 anderen Männern in einem Zimmer zusammengedrängt die Nacht verbringen. Kurze Rede langer Sinn, am nächsten Tag realisieren wir, dass dieses kleine Mädchen, das bereits am Vorabend immer zu unserem Professor rannte, seine Tochter ist, obwohl er uns gesagt hat er lebe Single und möchte sich noch nicht binden. Auch die Berührungen von der jungen Frau lassen darauf schliessen, dass es sich bei Ihr um seine Frau handelt. Er versucht dies gestresst zu verbregen, aber wir haben es lange begriffen. Warum diese Falschangaben, hätten wir ihn als Vater und Ehemann weniger gemocht? Vermutlich mehr, jetzt wo wir wissen das er uns ein Theater vorgespielt hat.

05-10-09-092

Nachdem wir das Grab des berühmten Dichter Hafez besichtigten, heisst unsere Fahrtrichtung seit langem wieder einmal Norden. Wir haben nun noch ca. 3 Tage, bis unsere Visa ablaufen. Wir fahren Richtung Yazd. Nach ein paar Stunden Fahrt und einer Übernachtung verbringen wir am nächsten Tag ca. 4 Stunden in dieser 45 Grad heissen Wüstenstadt. Uns ist es fast zu heiss, das Klima drückend und die Stadt dementsprechend nicht sehr belebt zu dieser Tageszeit. Auf der Weiterfahrt biegen wir bei Na-In rechts Richtung Anarak ab, wir planen die Fahrt ans Kaspische Meer durch die Dasht – e Kavir Wüste. Es ist bereits Abend, wir tanken an einer Raststätte in der Nähe von Anarak und lernen hierbei einen extrem herzlichen, jungen Afghanen kennen, der aus seiner Heimat fliehen musste.

04-06-06-140

Dazu noch 3 junge, sehr sympathische Iraner, bei denen uns wieder bewusst wurde, wie unglücklich junge Leute mit den Umständen in diesem Land sein können. Nach ca. 2 Stunden fahren wir in die Nacht und in die Wüste hinein. Leider fehlen uns die Eindrücke von diesem Wüstenabschnitt, jedoch wissen wir noch genau, wie es sich vor Sonnenuntergang zwischen all dem Sand angefühlt hat. Noch in der gleichen Nacht, fahren wir ca. um 5 Uhr morgens das Alborz Gebirge hoch. Auf über 3000m zieht sich plötzlich der Nebel rund ums Auto, ich fahre schlussendlich mit 15kmh bis über den Pass ca. 40 Min lang und sehe keine 5m weit. Was wir anschliessend im Licht der Autoscheinwerfer sehen ist Grün – grüne Bäume, Büsche; es ist feucht und kalt. Am nächsten Morgen erwachen wir von Vogelgezwitscher, alles ist Grün um uns herum. Fantastisch! Meter hohes Gras, Morgentau, ein Bächlein neben dem Auto das plätschert – nie haben wir den Iran nur im Entferntesten so erlebt. Ab und zu fährt jemand auf einem Motorrad auf dem neben uns liegenden Schotterweg vorbei, den wir die Nacht zuvor raufgefahren sind, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Wie wenn Ausserirdische gelandet wären, ist es eine Herausforderung nicht vom Motorrad zu fallen. Nachdem wir Kaffe getrunken haben, fahren wir weiter. Bereits nachdem wir die Hauptstrasse wieder erreicht haben, tut sich ein weiteres, unglaublich schönes Paradies auf.

05-12-09-038

Vor uns erstreckt sich ein Tal mit unzähligen, angelegten Reisebenen. Praktisch jeder andere Fleck des Bodens ist in saftiges Grün gepackt. Ab und zu sind einige Häuser zu sehen. Beim Fotografieren fahren plötzlich die Polizisten an. Natürlich begrüssen sie uns mit heller Begeisterung, es werden Fotos geschossen, rege Gebärdendiskussionen geführt, gelacht und getan. Natürlich werden wir sofort eingeladen, was wir dann aber dankend und gekonnt (auch begründet da unsere Visa ablaufen) ablehnen. Weitere Täler erstrecken sich, alles ist  von der Landwirtschaft geprägt, wunderschön. Ab und zu ist ein Propagandaplakat der „Regierung“ (Regime)zu sehen.

Am selben Tag erreichen wir Sari, eine Stadt die ca. 20km vor dem Kaspischen Meer liegt. Nach einer „Bin ich nun doch schon Berühmt?“ Fahrt durch die Stadt, wollen wir unbedingt ans Meer. Dort angekommen, ein fantastischer Anblick speziell nach über einem Monat kein anderes Gewässer als halb ausgetrocknete Flussbete, essen wir Schaschlik, rauchen Wasserpfeife und relaxen. Anschliessend suchen wir einen Schlafplatz am Strand und ich nehm den Zentralasien Lonely Planet zur Hand, um die wichtigsten Einreisebestimmungen nachzulesen. Wir sind pleite, die umgerechnet 450 Franken (only!) die wir je in der Türkei abgehoben haben, sind verbraucht. Turkmenistan, Autotaxen, Autodesinfektion etc. etc. - 380 Dollar! Wir wussten nicht mehr wie um uns geschieht. Wie sollen wir das zahlen, das Iranische Bankenwesen ist nach aussen gekappt (Amerikanische Sanktionen), wir haben keine Möglichkeit an Geld zu kommen. Sofort packen wir wieder unsere Sachen, und fahren Richtung Sari. Es ist bereits Nacht, wir müssen eine Möglichkeit finden an Geld zu kommen, sei es an der Turkmenischen Grenze oder im Iran. Gute Planung muss man da einfügen. Es gibt schlussendlich zwei Möglichkeiten, umgehend nach Tehran fahren und von unseren Freunden dort Geld ausleihen, oder an die Grenze fahren und versuchen, ob wir da eine Lösung finden. Beim Ersteren könnte es eventuell grad noch so klappen, das wir zurück sind bevor unsere Visa ablaufen. Beim zweiten gibt es keine Garantie. Wir entscheiden uns nach einigen Diskussionen dafür, dass wir zur Grenze fahren. Im schlimmsten Fall müsste einer von der Grenze aus mit einem Taxi nach Ashgabat fahren, das Geld holen und wieder zurück zur Grenze kommen.

05-12-09-047

Um 7 Uhr morgens fahre ich an der Grenze vor, Matthias hinten am schlafen und die Grenze noch geschlossen. Zwei Stunden später sind wir bei der Iranischen Behörde durch und füllen bereits die Turkmenischen Papiere aus. Wir sehen seit Wochen zum ersten mal in der Öffentlichkeit wieder Frauen ohne Kopftuch. Natürlich tun wir so als wüssten wir nichts von den Kosten die anfallen wenn man mit dem Auto einreist. Irgendwann werde ich an den Zahlschalter verwiesen, natürlich spreche ich kein Wort Russisch und bin total erstaunt und am Boden zerstört als ich höre das wir 300 Dollar zahlen müssen um einreisen zu dürfen. Es kommt eine Beamtin hinzu die nun zwischen uns und den Kommandanten übersetzt. Wir erklären unsere Situation, es wird diskutiert, alle wollen helfen und nichts geht vorwärts. Auch alle Truckfahrer die wir bereits in der nicht endenden, Turkmenischen Einreisebürokratie kennengelernt haben, stehen um uns herum und wollen wissen um was es geht. Schlussendlich macht der „Chief of Customs“ einen Vorstoss und fängt an mit den Fahrern zu sprechen, ob jemand uns das Geld eventuell leihen würde und wir es ihm anschliessend in Ashgabat zurückgeben. Und siehe da, nach einigem hin und her, finden wir eine Lösung. Ein türkischer Lastwagenchauffeur ist bereit uns das Geld zu geben. Wir werden ihm meinem Laptop geben, hinter ihm her fahren bis Ashgabat und dort unsere Schulden begleichen. Ahhh, ein Stein fällt uns vom Herzen. Aber nun startet der zweite Teil der Einreise. Vom einen Schalter zum anderen, hier einen Stempel und da eine Unterschrift, weitere Zettel um auszufüllen etc. etc. Anschliessend wird die Josephine inspiziert – weniger um was zu finden, mehr des Interessens wegen. Nach satten 10 Std. an der Grenze und für mich 48 Std. ohne Schlaf, haben wir nun Turkmenistan erreicht.


SetPageWidth