Through the desert to Esfahan

Nachdem wir Tehran verlassen haben, fahren wir Richtung Esfahan. Zum zweiten Mal schliessen wir den Schlüssel nach dem tanken im Auto ein. Dieses Problem haben wir jedoch nach einer halben Stunde behoben. Als wir bei einer Raststätte halt machen um zu essen, begegnen wir zufällig dem Mann der schweizer Botschafterin im Iran, Donad – was für ein Zufall. Er ist Biologe und verbrachte, mit seinen drei Kindern und seinem Forschungspartner, soeben einige Tage in der Wüste. Es ist schön wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen. Er erzählt uns von einem abgelegenen Ort in der Wüste, direkt bei einem der grossen Salzseen. Wir sind begeistert, nicht nur um den Ort zu sehen nein, auch da wir etwas Zeit brauchen um einige Reparaturen am Auto vorzunehmen. Es ist eine Herausforderung im Iran Zeit für sich zu finden, denn immer wird man irgendwo eingeladen. Dies ist sehr schön, kann aber auf Zeit auch anstrengend sein.

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Mit den Beschreibungen von Donad erreichen wir nach ca. 4 Stunden Marenjaab, eine alte Karawanserei die neu Renoviert wurde. Neben uns erstreckt sich der riesige Salzsee und vor uns die Wüste. Da wir ungestört sein wollen, fahren wir weiter in die Dünen. Hier schlagen wir unser Camp auf. Die nächsten zwei Tage sind wir handwerklich tätig, bis sich am zweiten Tag plötzlich von weitem ein Auto nähert. Mit hoher Geschwindigkeit fährt es auf den ersten Sandhügel zu, in Richtung wo wir unser Camp aufgebaut haben. Ich denke mir, das ist absurd, die kommen mit ihrem Strassen Auto niemals mehr aus dem Sand hinaus! Es steigen drei Jungs aus. Ich wusste nicht mehr, ob ich mich in einer trendigen, europäischen Stadt befinde. Die drei Männer sind alternativ gekleidet, tragen einiges an Schmuck und auch sonst machen sie den Eindruck, nicht wirklich ins iranische System zu passen oder sich davon distanziert zu haben.  Wir hätten uns nie denken können, hier draussen jemanden anzutreffen, geschweige denn diese drei Jungs.

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Wir verstanden uns super, und verbringen die nächsten zwei Tage zusammen. Sie haben auch zwei Flaschen Whisky dabei, worüber wir nach einer drei wöchigen Alkoholpause auch nicht abgeneigt sind:-) Am Abend des ersten Tages entschliessen wir uns, die  Düne direkt neben unserem Camp zu besteigen. Sie ist ca. 100m hoch, was für einen Aufstieg im Sand und bei diesem Gefälle viel Energie braucht. Zum Sonnenuntergang erreichen wir den Kamm. So etwas habe ich in meinem Leben  noch  nie gesehen. Auf der einen Seite der Düne erstreckt sich der Salzsee bis an den Horizont, der Himmel setzt sich aus einem Spiel von diversen Rosa- und Hellblautönen zusammen. Feine Wolkenschleier durchziehen dieses Spektakel. Die Sandinseln auf dem See schimmern Dunkel beige im Abendlicht. In der Ferne ist die Karawanserei zu sehen. Etwas links gerichtet erstreckt sich eine Steppenähnliche Landschaft die an den See grenzt und bis hin zu einer kleinen, steinigen Gebirgskette reicht. Auf der anderen Seite des Kamms erstrecken sich unzählige Dünen in die Ferne, ab und zu ist ein kleiner Busch zu sehen, ansonsten nur Sand der im letzten Licht in verschiedenen Braunvariationen schimmert. Das ist 1001 Nacht wie ich es mir als Kind in meinen wildesten Träumen ausgemalt habe.

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Der Abschied mit unseren neuen Freunden aus Tehran, die übrigens die meisste Zeit des Jahres in den Ski- und Snowboard gebieten anzutreffen sind, fällt schwer, wir verbrachten eine super Zeit zusammen. (Natürlich mussten wir sie noch aus dem Sand ziehen, keine Überraschung:-)

Esfahan war zu Zeiten des Shahs die Hauptstadt von Persien. Westler, die damals die Stadt besuchten, schwärmten in den höchsten Tönen von Ihr: „und dann, wie im Theater, wenn der Vorhang aufgeht, treten zwei öde Hügel auseinander; und dahinter enthüllt sich langsam der Garten Eden.“(Piere Loti, „Nach Isfahan“). Noch immer erstrecken sich weite Gärten im Stadtzentrum und der Fluss mit seinen 1001 Nacht Bilderbuch Brücken ist ein Augenschmaus. Leider leidet Esfahan seit einigen Jahren an Wasserknappheit, da der Fluss im Sommer, dieses Jahr bereits jetzt im Frühling, ausgetrocknet ist. In dieser Stadt sollen wir erleben, was im Iran in den oberen Schichten, und mit der nötigen Frechheit, möglich ist.

Wir sind auf der Suche nach einem Parkplatz und planen uns durch-zu-fragen. Bereits die ersten beiden, jungen Männer, sind Feuer und Flamme uns alles zu zeigen. Wir lassen uns darauf ein, dass sie uns mit dem Parkplatz helfen. Wir gehen mit ihnen zuerst noch im angeblich besten Hamburgerschuppen essen ­– die Burger sind wirklich nicht schlecht. Wir finden einen bewachten Parkplatz, 50m von der sagenumwobenen Si-o Se Pol Brücke entfernt, direkt im Stadtzentrum.

Am nächsten Tag lernen wir beim einkaufen einen jungen Mann kennen, er ist ca. 18 Jahre alt. Er übt den traditionellen Ringkampf aus. Wir werden als Ehrengäste am nächsten Tag dazu eingeladen. Ausgeübt wird dieser Sport, heute mehr eine traditionelle Form von Kraftsportübungen, in den sogenannten Zurkhanes (“Krafthäuser“). In den grossen Städten wird Er heutzutage auch des Öfteren als Touristenattraktion gefördert. Nun, diese Zunft die wir besuchen ist sehr traditionell geblieben und nach meiner Einschätzung nach empfangen sie dort nur selten Touristen. Wir nehmen an, dass wir direkt das Training besuchen. Dem ist nicht so. Wir werden neben dem Zurkhanes in ein Haus geführt, wo wir herzlich von älteren Männern begrüsst werden. Einer von ihnen liegt auf dem Bett im Wohnzimmer. Wir begrüssen natürlich auch ihn. Er kann sich kaum bewegen, denn er hat beim Ringen den Rücken gebrochen. Wie wir nun erfahren, ist der Mann auf dem Bett eine Legende des Zurkhanes, ein Held in Esfahan. Er war in jungen Jahren einer der besten Ringer im Iran.  Nachdem wir Chai getrunken und gegessen haben, begeben wir uns in das Zurkhanes. Die Show ist eindrücklich. Eine Person trommelt und singt. Er animiert das Publikum religiöse Ausrufe oder Sätze zu sagen oder schon fast zu schreien. Somit sind alle Leute in das Geschehen involviert und nicht nur die, die trainieren. Das ganze läuft bestimmt 1 ½ Stunden. Die Sportler werfen schwere Holzkeulen in die Luft - je mehr Drehungen, je höher und je schwerer die ausgewählten Keulen, umso ehrenhafter für den Sportler - So kommt es uns vor.

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Auf dem Heimweg kaufen wir Wasser und Brot in einem kleinen Strassenladen. Es kommt ein „stylischer“ Mann mit Bart und grosser Rey Barn Brille herein. Irrendwie entwickelt sich ein Gespräch und wir gehen zusammen hinaus. Unsere restliche Zeit in Esfahan verbringen wir mit Hesam. Seine Familie kommt aus der Oberschicht, er studiert in London. Es macht Anfangs den Eindruck, als gelten die iranischen Regeln für ihn nur begrenzt. In den nächsten Tagen erleben wir den Iran auf eine andere Art. Wir sitzen mit Freundinnen von Hesam in Cafés, fahren mit ihnen im gleichen Auto und spazieren durch die Gassen. Wir treffen uns im Haus von Hamid, einem reichen Unternehmer Mitte dreissig, mit diversen anderen Leuten - Frauen wie Männer. Es gibt gleich Willkommensdrinks – Vodka, Whisky etc. Beim Hereinkommen nehmen die Frauen ihre „Schatten“ umgehend ab, hängen ihn an die Garderobe, als wäre es ein Schal – ist es auch, nur einer, der für junge Frauen viel Leid mit sich bringt. Als alle da sind, begeben wir uns in den unteren Stock seiner 5 Stöckigen Villa, besichtigen den Pool und Wirlpool und ab in den im Keller eingebauten Privatclub. Mehr ist dazu nicht zu schreiben, die weiteren Stunden verlaufen ähnlich wie bei uns. Was man jedoch merkt, ist die Freude, endlich ein paar „(a)-normale“ Stunden zu verbringen.

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An einem der weiteren Tage fahren wir mit mehreren Autos auf das Landgut von Hamid, einem riesigen Stück Land, von einer Mauer umgeben, mit mehreren Gebäuden, diversen Pools und einem kleinen Wald. Wir grillieren, essen, trinken und tanzen. Das ist ein anderer Iran, als wir es bis anhin kannten und auch in den letzten Wochen kennenlernten. Festzuhalten ist aber auch, dass durch unsere Präsenz ein möglichst offenes, westliches Bild vermittelt werden sollte und es nicht Tag ein Tag aus so zu und her geht. Es gibt ganz klar Grenzen.

Hesam, many greetings Bro, hope to see ya soon in London or elsewhere!

Nach ca. 10 sehr schönen und eindrucksreichen Tagen in Esfahan fahren wir weiter Richtung Süden.


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