Tabriz and the Stone Houses

Unser erstes Ziel im Iran ist Tabriz. Die Metropole ist seit jeher  wichtigstes  Zentrum  Nordwestirans, sie liegt an den Ausläufern des Sahand-Gebirges. In den vergangenen Jahrhunderten litt Tabriz, durch seine zentrale Lage, sehr unter der wechselnden Herrschaft zwischen Russen, Türken und Perser. In den 70er Jahren wurde mit der Errichtung grosser Industriebetriebe  begonnen. Heute werden die meisten Maschinen und Fahrzeuge  hier hergestellt, zudem gibt es eine Erdölraffinerie. Mit 1.5 Mio. Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt Irans. Sie wurde immer wieder von Erdbeben heimgesucht, weswegen es kaum Baudenkmäler gibt.

Auf unseren ersten Meilen stellen wir  verwundert  fest, dass sich die Straßen in ausgezeichnetem Zustand befinden. Lange her das es so ruhig war, nur das uns wohlvertraute schnurren von Josephine ist zu hören. Wir erreichen Tabriz eine sehr lebendige, verkehrsreiche Stadt. Es ist bereits Abend. Wir entscheiden uns ein Hotel zu nehmen. Es war ein Fehler, Josephine ist billiger, die Betten bequemer und die Küche viel besser.    

Wir machen uns auf den Weg zum alten Markt. Der besteht aus einem Labyrinth von meist bedachten Gassen. Es herrscht ein lautes, geschäftiges Treiben. Unzählige Händler preisen rufend ihre Waren an, umringt von einem Pulk feilschender Herren. Wir treiben wie zwei bunte Boote durch eine fremde Welt. Es riecht, es stinkt, es dampft, es schmeckt. Zwischen geschlachteten Schafen, Nüssen,  fremden Gewürzen, Teppichen, Gemüse und Früchten werden wir plötzlich auf Deutsch angesprochen. Habit, so heißt er, führt uns zu einem traditionellen Lokal. An sehr kleinen Tischen hocken sehr iranische Männer die uns sehr neugierig betrachten. Gegessen wird Abgusht, das ist ein Eintopf aus Lammfleisch mit Tomaten, Kichererbsen und Kartoffeln. Zuerst wird die Flüssigkeit in ein zweites Gefäß ab gelehrt, in das man Brotstücke beigibt. Der Eintopf wird nun mit einem Mörser zu Brei zermalmt, als Beilage gibt es Zwiebeln und Gurken.

Nach dem schmackhaften Mahl führt uns Habit zu seinem Geschäftspartner Pershef. Die beiden handeln mit Teppichen. Habit schlendert täglich durch den Markt um Kunden anzuwerben, was er aus einem Mix von französisch, deutsch, englisch, persisch und türkisch tut. Provinziell weltmännisch, gemütlich und sehr sympathisch erscheint mir sein Freund  Pershef der zuständig ist für den Handel. Nach erfolglosem Versuch uns einen Teppich zu verkaufen lädt uns Pershef zum Abendessen  ein.

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 Seine Stube war beeindruckend groß, wie wir später feststellten war dies keine Ausnahme. Im Iran wird das öffentliche Leben kontrolliert, die Regeln sind sehr strikt, für ihre Einhaltung sorgen ca. 500´000 Sittenwächter. Diese werden bei der ärmlichen Landbevölkerung rekrutiert. Sie sorgen dafür dass die Kleiderordnung eingehalten wird, das die Menschen sich am Abend nach Hause begeben, das sich keine unverheirateten Liebespaare als solche zeigen,  das Menschenansammlungen politischer Art oder gar Demonstrationen sofort aufgelöst werden - wenn nötig auch mit Gewalt. Viele Menschen fürchten und verabscheuen diese Moralapostel, die unsichtbare Präsenz des  Regimes sorgt für viel Misstrauen,  eventuell ist der Nachbar einer von denen. Um denn Beobachtern zu entgehen spielt sich viel in denn eigenen vier Wänden ab. Darum sind diese wenn möglich sehr geräumig und bieten eine große Anzahl Sitzplätze.

Nach dem obligatorischen Chai stellte Pershef uns seine Kinder und seine Frau vor, die auch zuhause ganz verschleiert ist. Wir verbringen einen ganzen Abend miteinander, sie zeigen sich ebenso interessiert an uns wie wir an ihnen. Dies führt zu einer sehr angeregten Diskussion und viel Gelächter. Spät nachts kehren wir zu unserem Wagen zurück, den wir 20 Meter neben Pershefs  Wohnung parkiert hatten. Mitten in der Nacht werde ich von lautem Klopfen geweckt, Andriin ist bereits wach, es stellt sich heraus, dass es sich um die Polizei handelt. Wir können ihnen leider nicht klar machen, dass wir Pershef kennen. Als sie merken dass wir Touristen sind, geht es um unsere Sicherheit.  Wir schlafen schließlich auf dem Parkplatz des Polizeipostens. Nach einer kurzen Nacht begleiten uns unsere beiden Freunde denn ganzen Tag und zeigen uns ihre liebsten Orte und Plätze. Wir beschließen am folgenden Tag zusammen nach Kandovan zu fahren, dort leben die Menschen anscheinend noch in Wohnungen die in den Felsen gehauen sind.

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Wir sind nun etwa seit  1,5 Std. unterwegs, die Straße führt uns in ein Bergtal. Plötzlich taucht auf der linken Seite Kandovan auf, fast das ganze Dorf ist in Stein gehauen, ein schöner Anblick. Irgendwie komme ich mir wie ein Eindringling vor, die Bewohner führen ein ursprüngliches, einfaches Leben, zu ihrem Leid in außergewöhnlichen Behausungen.  Ein Grund für die Regierung daraus eine Touristenattraktion zumachen, es ist erklärtes Ziel der iranischen Regierung denn Tourismus anzukurbeln. Wir stapfen mit anderen Touristen durch das Dorf und fotografieren als Gäbs kein Morgen, hat etwas von einem Zoo ohne Käfig. Andererseits, die Bewohner können das Geld das sie am Verkauf von Souvenirs verdienen bestimmt gut gebrauchen.

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Beim Chai trinken werden wir plötzlich von einer Lautsprecherdurchsage erschreckt. Habit übersetzt uns ehrfürchtig das ein Sprecher Ahmedinejads soeben bekannt gab, das der Präsident Geld verteilen lassen werde. In zwei Monaten wird über Ahmedinejads  Amtsverlängerung abgestimmt.

Wir verabschieden uns von denn beiden und legen uns früh schlafen, Morgen wollen wir Teheran erreichen.


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