Kurdistan and the Iranian Boarder

04-14-09-141

Es ist der  13 April, wir sind früh aufgestanden, denn wir möchten  sobald als möglich den Iran erreichen.  Von Alanya bis an die iranische Grenze sind es ca. 1800 km! Wir fahren der Küste entlang Richtung Adana, vorbei an malerischen  Buchten, kleinen Ortschaften und unzähligen Gewächshäusern. Vor Adana nehmen wir die Autobahn Richtung  Osmanye. Während der Fahrt  diskutieren wir darüber ob wir durch Kurdistan fahren wollen oder nicht. Wir haben widersprüchliche Informationen erhalten, von „ viel zu gefährlich da gibt es Terroristen“ bis zu „ völlig harmlos“. Wir einigen uns darauf zuerst das Internet zu konsultieren. Von offizieller Seite wird dringend davon abgeraten, da die türkische Armee im Grenzgebiet zum Irak  immer wieder Angriffe gegen  die PKK und deren Splittergruppen ausübe. Es wird jedoch auch erwähnt dass es in jüngerer Zeit nie zu Übergriffen oder  Entführungen gegen Touristen gekommen ist. Wir entschließen uns durch Kurdistan zufahren aber mit gebührendem Abstand zur Irakischen Grenze. Nach Gaziantep verlassen wir denn Highway und fahren Richtung Gölbasi. In Kahramanmaras erkundigen wir uns bei Fabrikarbeitern, die in dieser emsigen Industriestadt überall zugegen sind, nach dem Weg. Als wir ihrem Wortführer eine Zigarette anbieten reicht dieser die Schachtel unter lautem rufen an die halbe Abteilung weiter. Mit einer lehren Schachtel und um mindestens Zehn Wegbeschreibungen reicher fahren wir weiter, ob der Marlboroman wohl auch so hilflos reagiert hätte, ich sehe in vor mir mit Maulesel und türkischem Drehtabak, positiv denken beflügelt  mich selbst in Kurdistan.

Die Straße wird zusehends schlechter. Die Kunst besteht darin mit genügend Tempo zu fahren  um die Schlaglöcher zu „überfliegen“ oder sie wenn möglich zu umfahren. Dabei ist der Gegenverkehr nicht zu vergessen , der das selbe Spiel spielt. Es ist inzwischen weit nach Mitternacht, wir erreichen Gölbasi und steuern eine noch beleuchtete Tankstelle an. Nach der sofortigen Beteuerung des Putzmannes der Parkplatz sei sicher für die Nacht betreten wir das dazugehörige Lokal. Verwunderte Blicke begegnen uns, doch glücklicherweise sind die müden Männer mehr an Chai und Kebab interessiert, als an zwei erschöpften, angehenden Marlboro Männer.

Nach einer kurzen Nacht stärken wir uns bei türkischem Kaffe und Zigarette. Wir fahren Richtung Malatya, eine bergige, wilde Gegend mit friedlich wirkenden Bewohnern - ob die Terroristen wohl gerade  eine Sinneskriese haben?! Die einzigen Anzeichen der angespannten Lage sind diverse Militärcheckpoints, die sich meist vor und nach den Ortschaften befinden. Die meist sehr jungen Sodaten winken uns freundlich zu und lassen uns problemlos passieren. Tatsächlich werden wir dann doch noch von einer  Polizeipatrouille angehalten, angeblich sind wir zu schnell gefahren. Ebenfalls  zu schnell war ein englischsprechender, türkischer Geschäftsmann aus Istanbul. Nach einer von Ihm geführten Diskussion mit der Polizei und freundlichem Lächeln von uns wird von unserer Busse abgesehen.

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Die Ortschaften werden zusehends ärmlicher, wir passieren Mus und fahren weiter Richtung Van.  Die Angst der Türken, die sich uns gegenüber immer sehr besorgt zeigten über die kurdische Gebärfreudigkeit zeigt sich nun bestätigt. Nie zuvor sah ich so viele Kinder,  es wimmelt nur so von kleinen lachenden  Gesichtern die glücklicherweise noch nichts wissen von den Schwierigkeiten die sie erwarten werden.

Es ist bereits späht, doch wir haben uns in den Kopf gesetzt, diese Nacht die iranische Grenze zu erreichen, um unser iranisches Visum voll auszuschöpfen. Ich lege mich nach hinten und versuche zu schlafen,  ich fühle mich dabei als währe ich in den Händen einer missmutigen, russischen Masseurin  gelandet. Ich entscheide mich für die kurze Behandlung und begebe mich ein wenig verkrampft wider nach vorne.

Wir erreichen Dogubayazit, eine selbst in der Nacht schmutzig wirkende Stadt. Sie liegt am Fuße des Mount Ararat,(5137m) dem höchsten Berg der Türkey. Er beheimatet die biblische Sage wonach sich Noah und sein Gefolge für 40 Tage und Nächte auf ihm niederließ. Leider können wir ihn nicht sehen da es bereits nach Mitternacht ist.

Um 2 Uhr morgens erreichen wir den Iran. Viele Gedanken beschäftigen meinen müden Kopf, wir stehen an der Grenze zu einem Land das eine der ältesten Hochkulturen der Geschichte beheimatet und aktuell einen Präsidenten gewählt hat der den Holocaust leugnet. Auffallend freundlich werden wir von den iranischen Beamten begrüßt, allgemein herrscht eine angenehme Stimmung. Nach kaum mehr als einer Stunde fahren wir in die grenznahe Ortschaft Bazargan, wo wir todmüde in unsere Betten kriechen.

Bei unserem Morgenkaffe machen wir bereits die ersten Bekanntschaften mit ein paar Jungs die uns als Begrüßung  einen Fruchtsaft schenken. Zur Erklärung, wir befinden uns in der Provinz Ost-Aserbeijan, hier wird türkisch gesprochen, die Provinzhauptstadt  ist Tabriz. Ein junger Mann anerbietet sich uns dabei zu helfen unsere türkische Lira in iranische Rial zu wechseln. Bezüglich Geld gibt es einige Schwierigkeiten im Iran. Es ist für Ausländer  unmöglich Geld zu beziehen, der Grund dafür ist nicht etwa Rückständigkeit sondern die Tatsache dass die Kreditkartensysteme über die USA abgerechnet  werden und dies unter US Sanktionen gegen den Iran ausfällt. Zudem gilt zu beachten, das im Alltag viele Waren in Tuman und nicht in Rial gehandelt werden, 1Dollar=10000Rial=1000Tuman. Es ist Ratsam immer zuerst nach der Währung zu fragen. In der Bank zeigt man kein großes Interesse an unseren Lire. Ein Iraner nimmt uns mit und führt uns zu einer sehr belebten Marktstrasse auf der sich auch der Schwarzmarkt befindet. Ausgerüstet mit einem Iranführer und dem Lonely planet erreichen wir einen guten Deal, wir haben nun umgerechnet für 500 Dollar iranische Rial im Sack, dies muss für eine ganzen Monat ausreichen.

Endlich habe ich Zeit die Umgebung zu betrachten, die Stadt befindet sich in einem engen, sehr kargen Tal, es herrscht emsiges Treiben. Je höher ich meinen Blick schweifen lasse desto einfacher werden die Behausungen, bis ganz zuletzt nur noch einfache Hütten auszumachen sind.


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